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Eröffnungsansprache zum Festakt der Generalversammlung der Görres-Gesellschaft 2010 (Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf)

Eröffnungsansprache zum Festakt der Generalversammlung der Görres-Gesellschaft 2010

Gehalten von Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf, Präsident der Görres-Gesellschaft

Exzellenzen, Magnifizenz,
Herr Oberbürgermeister,
hochverehrte Festversammlung,

dass so viele Mitglieder unserer Gesellschaft und ihre Gäste den Weg nach Freiburg genommen haben, um an der Generalversammlung teilzunehmen, ist hocherfreulich, und ich darf Sie alle auf das herzlichste willkommen heißen. Um 1800 schreibt Franz Xaver Schnetzler, Redakteur des Freiburger Wochenblattes: „Die Gegend rings um die Stadt ist eine der lieblichsten, die man sich denken kann; selbst Fremde, die von den Schönheiten des Rheins oder Bodensees bezaubert hieher kommen, betrachten sie mit neuem Entzücken… eine Stadt, der es, auch in religiöser Hinsicht nicht zum geringen Ruhm gereicht, dass sie sich, obwohl sie immer fest an dem Glauben ihrer Väter gehalten, nie, auch in den finsteren Jahrhunderten nicht, durch Verfolgung der Andersdenkenden befleckt, sondern immer durch Gesinnungen der Mäßigkeit ausgezeichnet hat. Es gibt gewiß wenig Orte, an welchem die von Joseph II. eingeführte Duldung eine so sichere Freistätte gefunden hat wie bei uns, und noch jetzt ist die hiesige Universität die einzige katholische, welche einen Protestanten zu ihrem Rektor gewählt hat.“ Die letzte Bemerkung galt Professor Johannes Georg Jacobi, der 1791/92 als Rektor der Universität amtierte. Und so gilt mein erster Gruß gilt dem heutigen Rektor der Albert-Ludwigs-Universität, Seiner Magnifizenz, Professor Dr. Hans-Jochen Schiewer. Er hat uns die Tore seiner Universität weit geöffnet. Wir freuen uns, dass auch der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Professor Dr. Klaus Baumann, und der Prodekan dieser Fakultät, Professor Dr. Eberhard Schockenhoff, hier sein können.
Ein weiterer Gruß gilt dem Oberbürgermeister dieser schönen Stadt, Herrn Dr. Dieter Salomon. Er ist gerade wiedergewählt worden und deshalb gilt ihm gilt unser Glückwunsch. Beiden haben wir herzlich zu danken für ihre großzügige Gastfreundschaft. Dem Oberbürgermeister sind wir zum besonderen Dank verpflichtet für die Ausrichtung des Empfangs am Montag abend im Historischen Kaufhaus Freiburg.
Die diesjährige Generalversammlung zeichnet sich nicht zuletzt dadurch aus, dass wir heute zum Festakt drei Ministerpräsidenten begrüßen dürfen. Mein Gruß geht an den Ministerpräsidenten des gastgebenden Landes Baden-Württemberg, Herrn Stefan Mappus. Lieber Herr Mappus, es ist noch nicht solange her, dass Sie Ihr hohes Amt angetreten haben, so dass wir Ihnen zu dieser neuen Herausforderung noch einmal herzlich Glück und Erfolg wünschen dürfen. Wenn Sie Bildung als das politische Megathema charakterisieren und den Aufstieg durch Bildung zum Markenzeichen Baden-Württembergs machen wollen, dann rennen Sie damit bei der Görres-Gesellschaft offene Türen ein. Das Bundesland Baden-Württemberg hat bei allen Pisa- und anderen Schulleistungsstudien zusammen mit Bayern, Sachsen und Thüringen an der Spitze gelegen. Aber auch hier gilt: Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte. Wir wünschen Ihnen möglichst viel Erfolg, der Bildungspolitik in all ihren Facetten in Vorschule, Schule, Hochschule und Berufsbildung jenen prioritären Rang zu geben, den sie schon lange verdient hat. Mit dem Ministerpräsidenten grüße ich auch den Freiburger Regierungspräsidenten, Julian Würtenberger.
Mein besonderer Gruß gilt nun dem Festredner unseres Festaktes, dem luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker. Sein Name steht für das Programm der europäischen Integration. Er hat die Vertiefung und Erweiterung der Europäischen Union nie als einen nur ökonomischen Prozess verstanden, sondern immer vor allem als friedensstiftendes Projekt dringlich gemacht. Jean-Claude Juncker hat die wirtschaftliche, währungspolitische und geostrategische Bedeutung des Euro maßgeblich mitgestaltet und er ist nun, wenn es gilt, die Mitglieder der Währungsunion zu disziplinieren, als Vorsitzender der Euro-Gruppe genau am richtigen Platz. Natürlich hat der am längsten dienende Regierungschef Europas den heute erreichten Stand der Verflechtung unseres Kontinentes nicht alleine geschafft, aber es ist fraglich, ob er ohne ihn hätte gelingen können. Denn die großen Länder Europas bedürfen immer wieder der Vermittlung. Dazu brauchen sie große Politiker kleiner Länder, die vermitteln können, weil ihnen keine Supremativansprüche unterstellt werden können. Gerade die kleinen Länder verfolgen in der Europapolitik als politisches Ziel die friedliche Koexistenz mit allen nahen und fernen Nachbarländern.
Jean-Claude Juncker ist der Makler Europas, er makelt zwischen den europäischen Mächten. Viele Politiker der größeren und kleineren europäischen Länder suchen seinen Rat und seine Unterstützung, auch die unseres Landes, sowohl die der Regierung wie auch die der Opposition. Er makelt aber auch zwischen Europa und seine Bürgern. In unzähligen Vorträgen und Interviews in deutscher, französischer oder englischer Sprache erläutert er seine Vision von einem christlich fundamentierten Europa, von einem Europa, in dem die Soziale Marktwirtschaft eine Renaissance erlebt, der Sozialstaat als säkularisierte Institution des christlichen Liebesgebotes seinen Platz hat. Wer an Europa zweifelt und hier und da verzweifelt – und wer tut dies nicht gelegentlich? –, dem empfiehlt er den Besuch einer der über ganz Europa verstreuten Kriegsgräberstätten, um sich des stärksten Motivs der europäischen Integration zu vergewissern, nämlich Kriegsvermeidung und Friedensstiftung.
Lieber Jean-Claude, für die Görres-Gesellschaft ist es heute eine große Ehre, dass Du heute gekommen bist, um über Europa zu sprechen. Dafür darf ich Dir schon jetzt in unserer aller Namen herzliche danken.
Nun gilt mein Gruß Ministerpräsident Professor Dr. Bernhard Vogel, dem Festredner unserer letzten Generalversammlung in Salzburg. Er wird heute den Ehrenring unserer Gesellschaft entgegennehmen. Er gehört unserer Gesellschaft seit 1964 an, war viele Jahre der führende Kopf der Zeitschrift Civitas und hat sich in allen seinen vielen politischen Ämtern für die Anliegen unserer Sozietät eingesetzt. Dies war und ist deshalb besonders wertvoll, weil er über jenes Höchstmaß an Erfahrung und Sachverstand verfügt, das man sich als Ministerpräsident in 22 Amtsjahren erwirbt, und dies in zwei so strukturell so unterschiedlichen Ländern wie Rheinland-Pfalz und Thüringen. Von der außerordentlichen Leidenschaft für das Gemeinwohl profitierte nach den vielen Jahren als Regierungschef die Konrad-Adenauer-Stiftung, der er – auch zweimal - als Vorsitzender diente und nun als Ehrenvorsitzender. Sein Engagement versteht er als Pflicht zur christlichen Weltverantwortung. Wir können uns auf die Laudatio des Mainzer Historikers Andreas Rödder freuen, der in Salzburg in den Vorstand unserer Gesellschaft gewählt wurde. Er hat eine schöne Aufgabe übernommen, denn als der Laudator 1967 geboren wurde, begann Bernhard Vogel seine Amtszeit als Kultusminister in Mainz. Mit dem neuen Ehrenringträger grüße ich die früheren Ehrenringträger Professor Dr. Hans Maier, Prof. Dr. Rudolf Morsey und Peter Eppenich.
Unsere Gesellschaft feiert in diesem Jahr ihren 134. Geburtstag. Damit dürfte sie eine der ältesten Wissenschaftsvereinigungen in Deutschland sein. Und sie tritt zum sechsten Mal in Freiburg zusammen. Die Freiburger Generalversammlungen haben allesamt im kollektiven Gedächtnis unserer Sozietät eine positive Prägung erhalten. Zum ersten Mal tagte die Görres-Gesellschaft in der Stadt an der Dreisam im Jahre 1884. Neun Jahre nach der Gründung war die Zahl der Mitglieder auf 1300 angewachsen, wie der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses der Görres-Gesellschaft, Prof. Dr. Freiherr von Hertling, stolz betonte. 1912 trat sie erneut in Freiburg zusammen. Mittlerweile war aus dem Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses der Präsident der Görres-Gesellschaft geworden, dem kurz zuvor die Leitung des Bayerischen Staatsministeriums und der Vorsitz im Ministerrat übertragen wurden. Der Vorstand befürchtete, diese neue Verpflichtung bedeute das Ende seiner Präsidentschaft. Bei der Lektüre des Jahresberichtes spürt man förmlich die damalige Erleichterung, als von Hertling in einem Brief an den Vorstand schreibt: „Ich glaube, dass das Interesse an gesteigerter wissenschaftlicher Betätigung unter den deutsche Katholiken keineswegs unvereinbar ist mit den Pflichten eines Ministers im paritätischen Staat.“ Inzwischen war die Gesellschaft kräftig gewachsen und konnte 4.000 Mitglieder aufweisen.
Die nächste Freiburger Generalversammlung fand im Oktober 1933 statt, weinige Monate also nach der „Machtergreifung“ Hitlers und dem Abschluss des Konkordates. Es war, wie wir aus den Forschungen von Rudolf Morsey wissen, eine sehr schwierige Generalversammlung. Heinrich Finke, Professor für Geschichte in Freiburg, lud zum Auftakt der Generalversammlung der Görres-Gesellschaft zu sich nach Hause ein, um „ganz unöffentlich“ zu sein. Auf Vorschlag Heinrich Finkes wurde der junge Staatsrechtslehrer Hans Peters, der spätere Präsident der Görres-Gesellschaft in den Vorstand gewählt. Finke erhielt aus dem Kreis der Mitglieder Lob für den gelungenen Verlauf dieser Tagung, bei der er mit großem Geschick den Ausgleich zwischen den, in den offiziellen Berichten allerdings nicht zum Ausdruck gekommenen Gegensätze gefunden habe. Die Freiburger Generalversammlung von 1955 hatte der Vorstand auf Anregung des Präsidenten Hans Peters nach Freiburg gelegt, um seinen Vorgänger Finke anlässlich seines 100. Geburtstages zu würdigen. Eröffnet wurde das wissenschaftliche Tagungsprogramm mit einem Festvortrag von Professor Dr. Joseph Höffner über „Soziale Sicherheit“, der dann auch in den Vorstand gewählt wurde. Die Zahl der Sektionen wurde auf elf erhöht, von denen einige drei und mehr Abteilungen aufweisen. Die Zahl der Mitglieder war kriegs- und verbotsbedingt auf 1.400 zurückgefallen.
Bis zur nächsten Freiburger Generalversammlung im Jahr 1991 konnte die Zahl der Mitglieder wieder auf 3.000 anwachsen. Es war die erste Nachkriegs-Generalversammlung im wiedervereinigten Deutschland. Deshalb galt der besondere Gruß des Präsidenten Paul Mikat den Teilnehmern aus den neuen Bundesländern und östlichen Nachbarstaaten.
Erlauben Sie mir nun einige Bemerkungen zu unserer diesjährigen Generalversammlung. Gestern abend hatten wir das Vergnügen, dem Vortrag von Professor Dr. Karl-Heinz Braun über Freiburger Traditionen in der Zeit der Aufklärung hören zu können. Ihm sein für diese facettenreiche Analyse sehr herzlich gedankt, die uns alle bereichert hat. Heute morgen begann unser Sonntag traditionsgemäß mit einem Pontifikalamt im Münster Unserer Lieben Frau, das der Freiburger Erzbischof, Dr. Robert Zollitsch, zelebriert hat. In seiner Predigt würdigte er die Arbeit unserer Gesellschaft. Dafür sagen wir dem Erzbischof herzlichen Dank. Wir freuen uns, dass auch Generalvikar Prälat Dr. Fridolin Keck kann.
Erzbischof Zollitsch ist bekanntlich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und deshalb freue ich mich sehr über die Präsenz seines für Wissenschaft zuständigen Mitarbeiters Dr. Burkhard van Schewick. Es ehrt uns auch, dass die Generalsekretärin des Cusanus-Werkes, Frau Dr. Claudia Lücking-Michel, mit der wir im Gespräch sind über eine Verzahnung unserer Aktivitäten, anwesend ist, ehrt uns.
Im voraus darf ich Herrn Professor Dr. Christian Waldhoff danken, dem neuen Leiter unserer Sektion für Rechts- und Staatswissenschaften. Er wird sich heute abend mit dem höchst aktuellen Thema „Katholizismus und Verfassungsstaat“ beschäftigen. Der Besuch dieser Veranstaltung sei auf das wärmste empfohlen.
Das gleiche gilt für den öffentlichen Vortrag am Montag abend. Dann wird Professor Dr. Andreas Hirmer über „Organtransplantation als Weg der Therapie“ sprechen.
Fatal wäre es für die Dauer dieses Festaktes, wenn ich nun alle achtzig Vorträge der Sektionen anpreisen würde. Denn auch dieses Mal ist es gelungen, eine höchst beachtliche Mischung von interessanten und aktuellen Themen anzubieten, die von renommierten Gelehrten und jungen Nachwuchskräften angeboten werden. Dennoch darf ich einige Sitzungen hervorheben, wie zum Beispiel die gemeinsame Veranstaltung der Sektionen für Philosophie und Rechts- und Staatswissenschaften, die sich mit der „Institutionalisierung als notwendiger Bedingung der Normalität“ auseinandersetzen wird, oder die Sektion Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, die sich dem Thema „Pädophilie und Kindesmissbrauch“ nähern wird oder der Sektion für Geschichte, in der das Thema „Humanitäre Intervention“ erörtert wird. Auch das Thema der Sektion für Medizin „Patientenverfügung“ kann aufgrund seiner Aktualität eine besondere Beachtung beanspruchen.
Heute darf ich Herrn Prälat Professor Dr. Erwin Gatz zum letzten Mal als Direktor unseres Römischen Instituts begrüßen. Er hat die Leitung dieses Institutes im Juli 1975 übernommen. Die Bibliothek stark ausgebaut, im Campo Santo Teutonico, dessen Leitung er ebenfalls seit 1975 innehatte, regelmäßige wissenschaftliche Tagungen und Konferenzen durchgeführt. Er war federführender Herausgeber der „Römischen Quartalsschrift“. Daneben hat er seine kirchengeschichtlichen Großprojekte verfolgt: „Das Große Bischofslexikon“, „Das Bischofslexikon 1945 bis 2001“, das „Bistumslexikon“, die „Geschichte des kirchlichen Lebens“, der „Atlas zur Kirche in Geschichte und Gegenwart“. Seine Erinnerungen hat er unter dem Titel „Aus meinem Leben“ erstellt, die in diesem Jahr erschienen sind. Erwin Gatz war das Gesicht unserer Gesellschaft in Rom. Wir haben ihm für seine rastlose Arbeit sehr herzlich zu danken. Dies hat der Vorstand auch schon gestern getan, und Professor Dr. Stefan Heid, den stellvertretenden Direktor des Campo Santo, einen Priester des Erzbistums Köln, zum neuen Direktor unseres Römischen Institutes bestellt. Stefan Heid ist christlicher Archäologe.
Bei der Gelegenheit darf ich erwähnen, dass der Ursprung unseres Römischen Instituts übrigens auf eine Anregung der Freiburger Generalversammlung 1884 zurückgeht. Damals wurde in der Historischen Sektion vorgeschlagen, am Campo Santo eine Handbibliothek für deutsche Historiker zu gründen, für die ein Grundstock von 800 Bänden schon damals vorhanden war. Heute sind es 40.000 Bände.
Weniger Erfreuliches gibt es unsere Bibliothek in Jerusalem zu berichten. Nach dem plötzlichen Tod des Direktors, Professor Dr. Gustav Kühnel, ist sie in die Obhut der Hebräischen Universität Jerusalem gelangt. Inzwischen haben Gespräche mit dem Jerusalemer Benediktinerkloster stattgefunden. Der Bibliothekar der Dormitio, Frater Nikodemus, bietet in Absprache mit seinem Abt eine Dauerlösung an. Professor Kaufhold und ich werden die Angelegenheit in Bälde vor Ort klären.
Immer wieder erreichen mich Briefe von höchst verdienstvollen Mitgliedern unserer Sozietät, denen die Teilnahme an der Generalversammlung altersbedingt zu schwer fällt. So schrieb mir Konrad Repgen, dass er sich für Freiburg nicht angemeldet habe und nach menschlichem Ermessen auch in Zukunft kaum noch einmal an einer Generalversammlung teilnehmen könne. „Die dort unvermeidlichen Fußwege sind mir zu lang, um das Programm mit seinen vielen guten alten Bekannten und Freunden ist mir zu anstrengend geworden: Das Alter fordert eben seinen Tribut und mit 87 Jahren hat man ja auch ein gewisses Recht auf ‚Ruhestand’. Das bedeutet nicht, dass mir die Geschicke unserer Gesellschaft nicht mehr berührten, im Gegenteil – die Görres-Gesellschaft nimmt einen zu zentralen Raum ein, als dass ich ihr den Rücken kehrte. Die Welt wie die Wissenschaft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten dreimal gedreht. Auch die Kirche ist etwas anderes geworden. An einem Ende dieser Veränderungen stehen wir nach meiner Meinung nach noch lange nicht. Umso wichtiger werden alle auf Glaube, Vernunft und Solidarität begründeten Netzwerke, und hier hat die Görres-Gesellschaft bleibende Aktualität; dass ihr diese Förderung in höchst möglichem Maße gelingen möge, ist mein heißester Wunsch.“ Soweit Konrad Repgen.
Erlauben Sie mir nun, einige wenige Bemerkungen zum wissenschaftlichen Ertrag unserer Gesellschaft im vergangen Jahr.
Jenseits des Tagungsprogramms der Jahresversammlung vollzieht sich die wissenschaftliche Arbeit unserer Gesellschaft vor allem in der Publikationstätigkeit. Detaillierte Auskunft darüber geben die im Jahres- und Tagungsbericht aufgeführten zwei Dutzend Jahrbücher und Zeitschriften, Editionen und Monographien in verschiedenen Reihen, die in der jeweiligen Fachwelt großes Ansehen genießen. Davon zeugen nicht nur Rezensionen, sondern auch die wachsende Bereitschaft vor allem junger Gelehrter zur Mitarbeit. Schon in Salzburg konnte ich über die Neuauflage des vergriffenen Handbuches der Wirtschaftsethik berichten, das – von Wilhelm Korff herausgegeben – im Verlag Berlin University Press erschienen ist. Paul Kirchhof und ich haben es im April in einer ungewöhnlich gut besuchten Veranstaltung der Katholischen Akademie in Berlin mit dem Titel „Wirtschaft und Kultur“ präsentiert. Der Bund Katholischer Unternehmer hatte deshalb eigens einen eigenen Termin verschoben, um seinem Vorstand und seinen Mitglieder den Besuch der Veranstaltung zu ermöglichen. Mittlerweile sind auch die ersten sehr positiven Besprechungen veröffentlicht worden. Ihr Tenor ist die Empfehlung dieses Handbuches als Gegenmittel für die Ursachen weltweiter Finanzkrisen.
Ich freue mich, Ihnen heute berichten zu können, dass unser im vergangenen Jahr erschienenes dreibändiges Handbuch der Erziehungswissenschaften nun in einer Studienausgabe herauskommt, die preisgünstig angeboten wird. Die bisherige verkaufte Auflage ist zwar nicht schlecht und das Handbuch hat auch in der Fachwelt und in der allgemeinen Publizistik sehr gute bis ausgezeichnete Noten erhalten, aber eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hat es noch nicht erreicht. Von der Studienausgabe erwarten wir eine deutlichere Perzeption dieses Handbuches, das nicht nur eine Bilanz seines Faches zieht, sondern auch Visionen für die Zukunft entwickelt. Wer sich mit den bildungspolitischen Herausforderungen dieses Landes beschäftigen will, kommt an diesem Werk nicht vorbei.
Es wird eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft in der nächsten Zeit sein, die Sichtbarkeit unserer wissenschaftlichen Arbeit und ihrer öffentlichen Resonanz zu steigern. Deshalb müssen wir unsere Präsenz im Internet qualitativ deutlich verbessern und vor allem ausweiten. Der Vorstand arbeitet daran, die Inhalte unsere Zeitschriften sukzessive ins Netz zu stellen und auch – eine Anregung aus dem Kreis der Sektionsleiter folgend – Vorträge auf unserer Jahresversammlung möglichst rasch ins Netz zu stellen, damit sie von der Fachwelt und den Wissenschaftsredaktionen der Medien schneller genutzt werden können. Mit dem Abdruck der Vorträge in unseren Jahres- und Tagungsberichten viele Monate später kommen wir dem Postulat der Aktualität auch in der wissenschaftlichen Kommunikation nicht entgegen.
Abschließend darf ich den Herren des Ortsausschusses, Prof. Dr. Karl-Heinz Braun, Prof. Dr. Alexander Hollerbach, dem langjährigen Rektor der Universität, Prof. Dr. Wolfgang Jäger, Prof. Dr. Hugo Ott und vor allem seinen Vorsitzenden, Prof. Dr. Volker Michael Strocka, ganz herzlich für die Mühen der Vorbereitung unserer Jahresversammlung danken. Es ist vor allem ihr Verdienst, wenn wir in wenigen Tagen beim Abschied von Freiburg an die Bemerkungen des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Emile Jaquemin in seinem Buch „L’Allemagne agricole, industrielle et politique“ von 1843 denken müssen: „Nur ungern schied ich von diesem schönen und glücklichen Land, von den guten Freiburgern, welche den Fremden eine so treuherzige Aufnahme gewährten. In Wahrheit, die Freiburger sind Leute, die man vom ersten Tag an lieben muß, weil bei ihnen der Freimut, die Aufrichtigkeit und die Hingebung zu Hause sind! Sie verdienten, daß man an jeden Eingang zur Stadt das Wort ‚Gastfreundschaft‘ aufpflanzte.“
Ich darf uns allen eine schöne und ertragreiche Generalversammlung in Freiburg wünschen.